Pomodoro, Karlsruhe

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Obwohl Karlsruhe mit fast 300,000 Einwohnern für mich keine große Stadt ist, gibt es hier zum Glück viele italienische Restaurants. Da Fuchs und ich gerne italienisch essen, probieren wir ab und zu etwas neues aus und dieses Mal war das Pomodoro an der Reihe. Das Restaurant liegt im Herzen von Karlsruhe, in der Waldstraße unweit des Ludwigsplatz und scheint richtig gut besucht zu sein. Das Lokal ist ziemlich klein und es ist sehr schwer, ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen.

Als wir eintrafen, ist mir direkt ein komischer Vorhang an der Tür aufgefallen – er war sehr störend und ich fragte mich wozu er diente. Seinen Zweck entdeckte ich später: Im Restaurant zog es sehr stark durch die Eingangstür und der Vorhang sollte vor dem kalten Zug schützen (allerdings machte er dies nicht sehr gut). Das Interieur hat zum Vorhang gepasst: Es war stilmäßig sehr in die Jahre gekommen. Die Einrichtung hat definitiv ihre besten Tage schon hinter sich: Sie ist einfach alt und abgenutzt, als Retro kann man das definitiv nicht bezeichnen. Für Fuchs ist das Interieur eines Restaurants nicht sehr wichtig (modern, romantisch, sexy oder elegant – für ihn ist alles gleich). Bei ihm geht es primär ums Essen und um den Service, aber ich versuche alles zu bewerten, da ich Wert auf alle Sachen lege.
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Pomodoro Interieur

Eine freundliche Begrüßung gab es im Pomodoro leider nicht: Wir haben uns absolut nicht willkommen gefühlt und waren nur froh, dass wir einen Tisch bekommen haben. Allerdings war keiner von uns über diesen begeistert. Es gab viel bessere Tische zur Auswahl, allerdings waren alle ab 20 Uhr reserviert (wir hatten noch eine Stunde Zeit) und unsere Bedienung wollte uns aus unbekannten Gründen den Tisch auf keinen Fall geben, obwohl wir ihm extra mitteilten, dass eine Stunde mehr als ausreichen für uns war. Als wir später wieder gingen, war natürlich noch niemand da. Nachdem unser Service so unkooperativ war, wollten wir das Restaurant verlassen, aber weil es draußen regnete und wegen meiner Erkältung sind wir am Ende doch geblieben.

Die Menüs kamen schnell an und die Auswahl hat mich angenehm überrascht. Es gab viele Variationen von Pasta, Pizza und Fleischgerichten: Die Speisekarte hatte für jeden Geschmack etwas zu bieten. Die Weinauswahl war nicht sehr groß, aber das habe ich von so einem Lokal erwartet.Leider mussten wir etwas länger warten bis unsere Bestellung aufgenommen wurde. Als die Bedienung endlich kam, hatten wir uns schon lange für ein gegrilltes Rumpsteak (medium) mit gemischtem Salat und Gemüse (16€) für mich und Rigatoni Calabrese (8€) für Fuchs entschieden, dazu wurde eine Flasche Wasser und Chianti (4,80€ für 0.25l) bestellt. Die Tageskarte sahen wirbedauerlicherweise viel zu spät, sonst hätten wir etwas aus der Karte bestellt, da sie von mehrerenLeuten gelobt wurde. Unsere Getränke haben wir sehr schnell erhalten und ich hatte mehr als genug Zeit, um den Wein zu probieren, da unsere Hauptgänge recht viel Zeit brauchten. Der Chianti hat mich nicht beeindruckt: Er schmeckte herb und würzig (wie es sein soll), aber einfach nicht harmonisch, von einem samtigem Abgang konnte ich nur träumen (aber ehrlich gesagt für diesen Preis sollte ich sowas nicht erwarten und für einen 5-Euro-Wein war der Chianti in Ordnung).

Als erstes kam mein Salat an: Alle Zutaten waren frisch und die Portionsgröße auf der richtigen Seite. Bedauerlicherweise konnte ich dem Salat nicht genießen, da ich die Soße absolut nicht schmackhaft fand. Einen Salat bestelle ich immer mit einem Balsamico-Öl-Dressing und genauso habe ich es im Pomodoro gemacht. Natürlich erwartet man, dass ein Italiener ein einfaches Balsamico-Öl-Dressing ohne Probleme in den Griff bekommt, aber im Pomodoro war es nicht der Fall. Wenn man einen Salat mit einem Balsamico-Öl-Dressing im Pomodoro genießen will, muss man seinen Salat selbst anmachen.
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Gemischter Salat

Später wurden uns unser Steak und die Pasta gebracht. Mein Steak war gut (obwohl es mit den besten Steaks, die wir mit Fuchs in einem authentischen Restaurant in New York gegessen haben, nicht vergleichbar war): Das Fleisch war frisch, zart und saftig. Das Steak wurde mit Rosenkohl, Paprika,Zucchini und grünen Bohnen serviert, wobei der Rosenkohl, die Paprika und die Zucchini frisch und lecker waren. Die grünen Bohnen im Speckmantel waren leider schon lange vorher blanchiert und zubereitet worden (scheinbar am Anfang des Abends), weswegen sie nur eingeschränkt genießbar waren (obwohl die Bohnen selbst jung und knackig waren).
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Gegrilltes Rumpsteak mit Gemüse (16€)

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Rumpsteak geschnitten

Die Rigatoni Calabrese mit Salami und Parmaschinken, die Fuchs bekommen hat, waren wirklich köstlich: Die selbst gemachte frische leckere Soße hat die Rigatoni perfekt betont. Die Soße war eine von den besten, die ich bei einem Italiener in Karlsruhe probiert habe. Ich weiß nicht ob die Pasta im Pomodoro hausgestellt ist aber die, Rigatoni Calabrese waren richtig gut: Es war genau der Fall, wenn Tomaten die Pasta einfach perfekt machen.
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Rigatoni Calabrese (8€)

Obwohl die Chinesen vor fast 4000 Jahren Pasta erfunden haben, waren es die Europäer,die Tomaten und Pasta kombiniert haben. Leider ist nicht bekannt, wie genau das passierte, aber die erste schriftliche Nennung von Tomaten in einem Pasta-Gericht findet man im französischen L’Almanach des gourmands (1807). Erst 30 Jahre später (im Jahre 1837) schrieb der Herzog von Buonvicino Ippolito Cavalcanti in seinem Buch “La Cucina Teorico Pratica” von Vermicelli in Tomatensoße (allerdings lieferte er kein Rezept der Soße) und 10 Jahre später erschien ein Rezept von Macaroni a la Napolitana (ähnlich wie wir es heute kennen) in einem amerikanischen Kochbuch.

Obwohl das Essen lecker war, haben andere Sachen viele Wünsche offen gelassen. Wenn man im Pomodoro essen genießen will, muss man über einige Dinge hinwegsehen. Für einen romantischen Abend oder für einen Business Lunch ist das Restaurant definitiv nicht geeignet.

Alpha/Fuchs Gesamtnote
Restaurant-Kategorie
Essen
Ambiente
Service
Preis/Leistung


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Pomodoro
Waldstraße 87
76133 Karlsruhe
Telefon: 0721/ 0272

One thought on “Pomodoro, Karlsruhe

  1. Erst im letzten Teil kommt ihr drauf, was das Pomodoro ausmacht! Uritalienische Gerichte ohne große Schnörkel und Chichi. Die Bedienung ist so wie man es auch in Italien kennt, da wird um Aufmerksamkeit gefeilscht. Man begegnet keinen Kellnern, die wohlfeil mit einstudierter überschwänglicher Höflichkeit um den Gast charmieren – darauf muss man sich einlassen können. Das Pomodoro kenne ich schon seit Mitte der 80er und es hat sich praktisch nichts verändert. Man kann das so oder so sehen, muss aber hinnehmen, dass die Farbschichten auf den Tapeten im Laufe der Jahrzehnte dicker geworden sind, der Farbton aber nie gewechselt hat. Ein Blick an die Wände offenbart Kunstwerke, keine Replikate. In den 80ern war es das Stammlokal von Professoren und Kunststudenten der Karlsruher Kunstakademie und Bohemien-Szene. Das ist natürlich irrelevant zur Beurteilung der Speisen, andererseits macht es den Flair aus und lässt ahnen, warum sich das Interieur dem Zeitgeist des Besten aus den 90 und 00ern standhaft widersetzt hat.
    Ich war erst kürzlich zum Mittag dort – ja, es ist rappelvoll, es sind Businessleute und viel Stammpublikum im Lokal – wer da nicht auf die Tageskarte schaut und a la Carte bestellt ist fehl am Platz. Zudem empfiehlt es sich auch die Auswahl auf italienische Gerichte zu beschränken – Mit Peter Luger aus NYC zu vergleichen ist, diplomatisch ausgedrückt, Unsinn.
    Die Fagiolini mit Erbsen und Steinpilzen, die ich vor wenigen Wochen bekam waren wirklich gut, da kenne ich in KA lediglich Da Paolino, der nochmal nen guten Tacken zugeben kann.
    Beipflichten muss ich dem Minuspunkt beim einfachen Öl- und Essigdressing, zum Salat hatte ich den Eindruck das war ready made / der Geschmack von Emulgator, Säure und zu wenig Peffer kam mir sehr bekannt vor – schade! Mit nur wenig Aufwand ist da viel mehr rauszuholen.

    Viele Grüße Til

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